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“Ich gebe der Gutenberg-Galaxis noch zehn Jahre” (Michael Crichton, 1983)


Sci-Fi-Autor und Regisseur Michael Crichton war dem Mainstream schon immer ein paar Schritte voraus – auch in Sachen Digitalisierung. Für den Klassiker “Westworld” (1974) wurden zum ersten Mal in der Filmgeschichte einige Minuten in einer Großrechenanlage eingescannt und gepixelt, um die Perspektive des Killer-Androiden möglichst glaubhaft darstellen zu können – Terminator lässt grüßen. Crichton kannte sich bereits seit dem Studium in den Sechziger Jahren bestens mit Elektronengehirnen aus, was ihn in seinem Sachbuch “Electronic Life – How to think about Computers” (1983) auch zu einer Prognose zum Elektronischen Lesen motivierte. Oder besser gesagt, zu einer Prognose über die Halbwertszeit der Gutenberg–Galaxis. Mindestens zehn Jahre, so postulierte Crichton, würde man noch gedruckte Bücher lesen, also bis in die Mitte der Neunziger Jahre. Dann aber würde der finale Showdown beginnen. Besonders interessant sind aus heutiger Sicht Crichtons Begründungen für den verlangsamten Abschied vom Gedruckten – gerade weil sie durch die technologische Entwicklung kurz nach dem Verfallsdatum der Prognose zu hundert Prozent über den Haufen geworfen wurden:

“Erstens, gedruckter Text auf Papier ist ideal zum Browsen (“ideally suited for browsing”). So nutzen die meisten Menschen ihre Zeitung, sie lesen sie nicht durch, sie überfliegen sie. Browsen ist viel langsamer und anstrengender wenn es um elektronischen Text auf einem Bildschirm geht.”

“Zweitens, gedrucktes ist hochmobil. Man kann es im Zug, im Flugzeug oder im Bus lesen und braucht kein zusätzliches Equipment oder eine Stromquelle.”

“Und schließlich ist Print ganz einfach günstig. Ein Paperback verursacht weniger Kosten als eine Floppy-Disk mit derselben Information.”

Abb.: Wikipedia