Tag: iPad

Arthur C. Clarke & die Utopie des Tablet-Readers (1968)


Wenn Samsung das nächste Mal von Apple wegen Ideenklaus in Sachen Tablet-Technologie verklagt wird, sollte man vielleicht mal den Roman “2001 – Odyssee im Weltraum” aus der Feder von Sci-Fi-Schriftsteller Arthur C. Clarke in den Zeugenstand rufen. Der im Jahr 1968 als Buch zum gleichnamigen Film erschienene Roman nimmt nämlich die technologische Entwicklung der nächsten vier Jahrzehnte glatt vorweg. Im Mondshuttle vertreibt sich der Astro-Wissenschaftler Dr. Heywood Floyd die Zeit mit einem Gerät namens “Newspad”, das den heutigen Leser doch gewaltig an das iPad erinnert (im Film gibt’s während des Flugs zum Jupiter übrigens eine vergleichbare E-Lese-Szene):

“Ermüdet von all den offiziellen Reports und Memoranden, vernetzte er seinen DIN A 4-großen Newspad mit den Schaltkreisen des Shuttles und überflog die letzten Nachrichten von der Erde. Nach und nach rief er die wichtigsten elektronischen Zeitungen auf, die Kennziffern der großen Blätter kannte er auswendig.”

Das Newspad zeigt die Titelseiten als kleine Thumbnails an, die sich auf Tastendruck auf vollständige Bildschirmgröße zoomen lassen. Der Text wird einmal pro Stunde aktualisiert:

“Selbst wenn man nur die englischsprachigen Versionen las, hätte man für den Rest seines Lebens praktisch nur noch dem sich ständig ändernden Nachrichtenstrom zuschauen können, der per Satellit übertragen wurde”.

Das Wort Zeitung, muss auch der Erzähler zugeben, ist in diesem Fall allerdings nur noch ein “anachronistisches Überbleibsel, das in das elektronische Zeitalter hineinragt”. Und dann folgt noch ein Satz, den sich vielleicht auch Apple mal auf der Zunge zergehen lassen sollte:

“Man konnte sich kaum vorstellen, wie sich dieses System noch verbessern ließ. Doch über kurz oder lang, schätzte Floyd, würde es den Weg alles Irdischen gehen, und durch etwas ersetzt werden, das so unvorstellbar war wie das Newspad für Gutenberg gewesen wäre.”

Abb.: Wikipedia