„Vom Buch zum Byte“ ist online: Happy Birthday, E-Book!


Heute vor 41 Jahren wurde an der University of Illinois ein neues Medium geboren: am 4. Juli 1971 hackte der amerikanische Student Michael S. Hart den Text der Unabhängigkeits-Erklärung in das Terminal eines Mainframe-Rechners. Mit dem Startschuss für das elektronische Lesen begann die Emanzipation der Literatur von der Druckerpresse. Genau der richtige Starttermin für „Vom Buch zum Byte. Geschichte des E-Books“. Die spannende Geschichte elektronischer Bücher von den Anfängen bis in die Gegenwart gibt’s – wie es sich bei diesem Thema gehört – vorerst exklusiv in elektronischer Form. Das Multiformat-Paket (epub/Kindle/PDF) kann man ab sofort zum Preis von 3,99 Euro herunterladen. Natürlich ohne DRM, denn Kopierschutz ist nur noch von historischem Interesse.

Der Weg vom Buch zum Byte begann genau genommen schon ein paar Jahre vor Michael Hart. Deswegen beginnt meine Darstellung bereits im Jahr 1945, als der Ingenieur Vannevar Bush seinen berühmten Essay “As we may think” veröffentlicht hat. Darin wird eine universale Wissensmaschine namens “Memex” beschrieben – nicht nur ein Archetyp des Personal Computers, sondern durch die Idee der Verlinkung von Informationen auch der heilige Gral der Hypertext-Historiker. Auf Memex folgt eine Stippvisite in den Sechzigern bei Marshall McLuhan und den zeitgenössischen Bedrohungszenarien der “Gutenberg-Galaxis” – in deren Zentrum damals nicht Buchstaben auf Bildschirmen standen, sondern Bewegtbilder, sprich das Fernsehen.

Auf dem Röhrenbildschirm fanden allerdings dann auch die E-Lese-Anwendungen der Siebziger und Achtziger Jahre statt, von Videotext und Text-Adventures auf Commodores VC 20 bis hin zu CD-Rom-Enzyklopädien und Hyperfiction. Mit den Personal Digital Assistants (PDAs) standen seit den Neunziger Jahren dann erstmals Mobilgeräte zur E-Book-Lektüre zur Verfügung, bald gefolgt vom Handy-Roman, der die kleinen Displays der „Feature Phones“ nutzte. Frühe „dedizierte“ E-Reader wie etwa das Rocket eBook pflegten dagegen ein Schattendasein – erst mit der Marktreife von E-Ink-Displays verbesserte sich die Performance. Trotzdem nutzten prominente Autoren wie Stephen King bereits um die Jahrtausendwende das Internet, um punktuell erfolgreich mit E-Books und Self-Publishing zu experimentieren. Den endgültigen Durchbruch schaffte das elektronische Lesen aber erst, als Amazon gelang, mit dem Kindle-Reader ab 2007 den „iPod für E-Books“ massenhaft zu vermarkten.

Die Verbreitung von E-Books über Datennetze beginnt übrigens interessanterweise bereits mit Michael Harts Pioniertat vom 4. Juli 1971. Denn die Mainframe-Rechner im Materials Research Lab der University of Illinois waren Teil des Internet-Vorgängers ARPANet. Theoretisch hätte der Gründer des Project Gutenberg den ersten E-Text sogar schon per E-Mail-Attachment an seine Kollegen verschicken können. Doch mit fünf Kilobyte war die Datei so groß, das eine Überlastung des Netzwerks drohte. So teilte Hart lediglich die Download-Adresse mit. Tatsächlich wurde das erste E-Book dann von sechs Personen heruntergeladen – für damalige Verhältnisse fast schon ein virales Ereignis.